Lars, Harry, Nico, Conny und Lars. Nicht auf dem Bild: Marc

Familie Iselin, das sind die Eltern Conny und Hary und ihre vier Kinder Marc, Lars, Sina und Nico. Lars hat Diabetes, seit er ein Kleinkind ist. Seine Eltern, er und seine Schwester Sina sprechen im Interview offen über den nicht immer einfachen Umgang mit dem Diabetes.
Lars hat schon seit 10 Jahren Diabetes. Erzählt mal, wie es am Anfang war.
Harry: Begonnen hat es im Jahrhundertsommer 2003. Lars trank viel und musste viel „bisle“ – das fanden wir in dieser Hitze zuerst normal und gut. Aber dann wurde er zunehmend unleidig, schlief viel und war apathisch.

Conny: Als er dann auch noch erbrechen musste, sind wir mit ihm in den Notfall, wo uns  die Diagnose mitgeteilt wurde. Meine Mutter hatte zwar schon vorher ein paar Mal gesagt, er habe sicher Diabetes, aber ich habe immer gedacht, sie male bloss den Teufel an die Wand.

Wie habt ihr euch da gefühlt?
Cony: Für mich war es sehr schlimm. Ich habe vor allem eine grosse Leere verspürt.

Harry: Ich war froh, dass ich ein paar Tage bei ihm im Spital sein konnte. Für mich war es eher eine Art Herausforderung, die wir nicht gesucht haben, die uns aber durch die Diagnose aufgegeben wurde.

Die erste Zeit ist ja für viele Familien meistens schwierig. Wie war das bei euch?
Conny: Als Lars aus dem Spital entlassen wurde, kam ich in einen riesigen Stress wegen dem starren Zeit- und Essensplan des Zweispritzen-Schemas. Auch das Spritzen war immer schwierig. Ich war hochschwanger, Lars hat eine ausgesprochen starke Angst vor Spritzen. Ich konnte ihn alleine gar nicht festhalten. Anfangs musste immer Harry zum Spritzen von der Arbeit nach Hause kommen.

Harry: Ehrlich? Das weiss ich gar nicht mehr…

Conny: Ich hatte in dieser Zeit oft das Gefühl, das Leben geht nicht mehr weiter.

Wie ist es heute?
Conny: Durch den Diabetes mussten und müssen wir vieles nach Lars richten. Es gibt deswegen immer wieder mal Spannungen, die übrigen drei  Geschwister von Lars stehen in solchen Momenten oft dazwischen. Das ist nicht immer einfach.

Und du Lars, kannst du dich überhaupt noch erinnern wie es war, bevor du Diabetes bekommen hast?
Lars: Nein.

„Die anderen können einfach drauflos essen ohne nachzudenken.“ (Lars)

Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Lars: Ich spiele gerne Unihockey und Golf, bin gerne draussen in der Natur und in den Bergen. In die Schule gehe ich mässig gerne.

Wie es für dich, Diabetes zu haben?
Lars: Ich hätte es lieber nicht, der Pen tut manchmal weh. Die anderen können einfach ohne nachzudenken drauflos essen und ich nicht. Das nervt.

Weisst du schon, was du mal von Beruf werden möchtest?
Lars: Ja, das weiss ich : Architekt!

Sina, wie ist es für dich als Schwester?
Sina: Es ist etwas komisch, weil meine Freundinnen keine Geschwister mit einer Krankheit haben. Sie fragen dann oft: „Was hat dein Bruder?“

Kennst du noch andere Kinder mit Diabetes?
Sina: Ja, ich kenne ein paar in unserer Gegend und natürlich auch diejenigen, die ich bei Swiss Diabetes Kids kennen gelernt haben.

Was hast du für Träume?
Sina: Ich möchte gerne einmal auf Hawaii reisen, später vielleicht einmal heiraten und ein, zwei Kinder haben. Und ich will Floristin werden.

„Der Austausch mit anderen Eltern hilft.“ (Conny)

Harry und Conny, was tut Lars gut?
Harry: Gute Phasen waren, als ich zum Beispiel mit Lars in einem Trainingslager war, oder wenn er in den Bergen oder der Natur sein oder etwas helfen  kann.

Conny: Ja, das stimmt, er hilft extrem gern. Obwohl er sonst eher ein Einzelgänger ist und sich in der Familie als Letzter sieht und oft aneckt, ist er sehr hilfsbereit und sozial.

Was hilft euch als Eltern, mit Lars‘ Diabetes umzugehen? Es scheint ja nicht immer so einfach zu sein.
Conny: Mir hilft sicher der Austausch mit anderen betroffenen Eltern; zu hören, dass andere oft dieselben Probleme oder Diskussionen haben. Und mal zusammen mit Harry wegzugehen, zu wellnessen und zu wissen, dass in dieser Zeit der Diabetologe von Lars zusammen mit ihm zum Rechten schaut.

Was würde ihr neu betroffenen Familien mit auf den Weg geben?
Conny: Hört auf euer Herz, geht soweit wie möglich auf euer Kind ein und zieht das, was ihr wirklich wollt, auch durch.